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Seligkeit das Herz stieg.  Cenrio, ich will hier bleiben, will es fragen,
was es von mir begehrt!"

Cenrio schwur, dass er es nach diesem Schrecke des Prinzen seiner
Gesundheit wegen nicht zugeben duerfe, der Prinz selbst liess sich nicht
lange bitten, diese harte Probe seiner Herzhaftigkeit aufzugeben.  Er war
nicht beschaemt, da alle bleich und erschreckt umhersahen und beim
leisesten Geraeusch zusammenfuhren, auch konnte er jetzt noch, ohne dass
Adrian, der bei seinen Buechern sass, etwas davon gemerkt haette, nach Hause
kommen.  Die Alte war nicht ganz zufrieden mit dem Entschluss, indessen
wusste sie das Gute davon doch noch vollstaendig zu nutzen, um sich und den
ihrigen das Haus zu sichern, denn kaum war die Haustuere von den rasch
auswandernden Gaesten verlassen, so sprang sie zum Schrecken der guten
Bella wie eine Rasende aus der Kammer, schlug mit allen Tueren heftig auf
und zu, warf alle Tische um, dass die Abziehenden in stiller Angst ihre
Pferde bestiegen und, ohne sich umzublicken, nach der Stadt ritten, wo sie
auf ewige Zeiten durch vergroessernde Erzaehlungen den Geisterruf des
Gartenhauses bestaerkten.  Der Prinz musste noch in derselben Nacht mit
einem Fieber fuer sein Wagestueck buessen.  Der liebliche Kopf der Bella
schwebte ihm darin vor, das Fieber verriet ihn, indem es ihm eine falsche
Wahrheit zeigte, und er beichtete es mit grosser Betruebnis am anderen
Morgen dem Adrian, wie er in ein Gespenst verliebt sei.  Das war eine
koestliche Gelegenheit fuer diesen, dem Kaiser Maximilian die Sorge fuer das
Lateinlernen seines Enkels besonders uebertragen hatte, ihm zur Busse eine
grosse Menge Vokabeln aufzugeben, die auch der Prinz mit einigem Erfolge
gegen den naechtlichen Eindruck brauchte.

Die arme Bella in ihrer Einsamkeit musste ihre erste Zuneigung haerter buessen.
Nachdem es ihr ein paar Tage genuegt hatte, statt zu schlafen, an ihn zu
denken und nachts von allen Seiten umzuschauen, ob er nicht wieder zum
Besuche in ihr Geisterhaus kommen wuerde, nachdem Braka sie ernstlich
ausgescholten hatte, dass sie so toerichten Gedanken, die sie vor der Zeit
bleichten, ihre frischen Tage hingebe, nachdem sie sich diesen und andern
Rat gar oft wiederholt hatte und doch immer wieder vergass und in den
beliebten fremden Gedanken abgleitete, fragte sie einmal Braka, ob es denn
kein Mittel gebe, wie man unsichtbar werden koenne, um in der Stadt
herumwandern zu duerfen.  Braka lachte und sprach: "Ich weiss kein anderes,
als viel Geld zu haben, da kann man eingehen, wo man will, das ist der
wahre Hauptschluessel, die wahre Springewurzel, bei deren Beruehrung die
Tueren aufspringen.  Dein Vater mochte noch wohl andre Kuenste gewusst haben,
aber wenn sie nicht in seinen Buechern stehen, so sind sie verloren!"
Bella behielt diese Nachricht still vor sich, sie fiel ihr ins Gemuet, als
ob sie dieselbe nie vergessen koennte; kaum war die Alte wieder auf den
Erwerb ausgegangen, so suchte sie die Buecher wieder hervor, die seit dem
Besuche des Prinzen in einem Winkel gerastet hatten; sie sah bei dieser
Gelegenheit, dass die Alte ihr den ganzen Vorrat seltener heilender Kraeuter
und Wurzeln fortgetragen hatte, und diese Untreue brachte sie zu dem
Entschlusse, ihr nichts mehr von allem zu entdecken, wozu sie die geheimen
Kraefte ansprechen wollte.  Aber welcher neue Ekel war ihr in diesen
Buechern vorbereitet, viel geheime Regeln, Zeichnungen, von denen sie
nichts verstand, den Stein der Weisen zu finden, Geister zu zitieren,
Krankheiten zu beschwoeren, das Vieh zu verzaubern, endlich auch ein Mittel,
Gold zu machen, aber dies Mittel so weitlaeufig,.als muesste man zwei Monden
anspannen, um zur Sonne zu fahren.  So verging ihr eine Woche nach der
andern, bis sie in einer Nacht ganz ermuedet auf eine ausfuehrliche
Nachricht traf, wie Alraunen zu bekommen, und wie diese dienstbar Geld und
was ein weltliches Herz sonst begehre, mit stehlender, untrueglicher
Listigkeit zufuehrten.  Aber welche Schwierigkeit, sie zu gewinnen, und
doch war es die leichteste von allen Zaubereien; die Zauberei braucht die
haerteste Schule; wer sie aushalten kann, moechte auch wohl in den
gewoehnlichsten Geschaeften ohne alles Geheimnis zu zaubern scheinen.  Wer
kennt jetzt nicht die Bedingungen, einen Alraun zu gewinnen, und wer
moechte sich ihnen noch unterziehen, wer koennte sie erfuellen?  Es wird ein
Maedchen gefordert, das mit ganzer Seele liebt, ohne Begierde zur Lust
ihres Geschlechtes, der die Naehe des Geliebten ganz genuegt: eine erste,
unerlaessliche Bedingung, die vielleicht in Bella zum erstenmal wahrgeworden
war, weil sie von den Zigeunern, die sie bisher kennen gelernt, immer als
ein Wesen hoeherer Art behandelt worden und sich dafuer anerkannt hatte; die
Erscheinung des Prinzen war ihr aber so heilig rein, wie der Koerper des
Allerheiligsten in der Messe, voruebergegangen, zu schnell, um ihre
Betrachtung zu wecken.  In solchem Maedchen, das so maechtig von der
Phantasie in allen Segeln angehaucht wird, soll gleichzeitig der
uebermaennliche Mut wohnen, nachts in der eilften Stunde mit einem schwarzen
Hunde unter den Galgen zu gehen, wo ein unschuldig Gehenkter seine Traenen
aufs Gras hat fallen lassen; da soll sie ihre Ohren mit Baumwolle wohl
verstopfen und mit den Haenden suchen, bis sie die Wurzel erreicht, und
trotz allem Geschrei dieser Wurzel, die keineswegs natuerlicher Art,
sondern ein Kind der unschuldigen Traenen des Erhenkten ist, ihr das Haupt
entbloessen, einen Strick aus ihren eignen Haaren umlegen, den schwarzen
Hund daran spannen, dann fortlaufen, so dass der Hund, im Wunsche ihr zu
folgen, die Wurzel aus der Erde zieht, wobei er von einer erblitzenden
Erschuetterung des Bodens unfehlbar erschlagen wird.  Wer in diesem
Augenblicke, dem entscheidendsten, seine Ohren nicht wohl verstopft hat,
kann von dem Geschrei auf der Stelle unsinnig werden.  Bella war wiederum
die einzige seit Jahrtausenden, bei der sich alle diese Erfordernisse
vereinigten; wer war unschuldiger, als das teure Haupt ihres Vaters
Michael, der in rastloser Tat fuer sein armes Volk, in steter Muehe und Not
fuer die Seinen, um das Unbedeutendste einem Reichen zu entfremden, allzu
ehrlich und stolz gewesen war.  Welches Maedchen haette Mut gehabt, in der
Mitternacht einen solchen Weg mit Ueberlegung zu machen, als Bella, die nun
schon seit vier Jahren, wo ihre Mutter gestorben, ein verstecktes,
naechtliches Leben gefuehrt hatte und mit dem Laufe des Mondes, mit den
Sternen zu vertraulich bekannt war, um in der Nacht noch eine besondre
Einsamkeit und Traurigkeit wahrzunehmen.  Welches Maedchen hatte wie sie
einen schwarzen Hund, aus dessen Augen mehr blickte, als sein Mund
ausbellen konnte, und wiederum welchem Maedchen war dieser einzige
Gesellschafter so verhasst, wie ihr, die ihn seit frueher Zeit, wo er sie
gebissen, nicht leiden konnte und ihn jetzt noch mehr verachtete, nun er
ihr mit einer widrigen Demut diente und sie doch auf allen Wegen belauerte
und, wenn sie recht zaertlich mit einer Puppe aus alten Kleidern wie mit
dem Prinzen sprach, sie auslachte; auch hatte der Vater immer behauptet,
es stecke der boese Feind in dem Hunde.  Welches Maedchen hatte endlich so
langes Haar, wie Bella, um es zu Stricken flechten zu koennen, und welche
mochte es, wie sie, ruhig zu dem Versuche hingeben; sie aber wusste nichts
von ihren Schoenheiten, es war ihr lieb, dass sie kuenftig nicht so lange an
ihren Haaren zu kaemmen haette, und so sank ihr Haar, in dessen glatten
Locken sich oft die Sterne wie im Haupthaar der Berenize gespiegelt hatten,
im raschen Schnitt einer Schere wie ein schwarzer Schleier auf den Boden
rings um sie her, ihrem Hund Simson eine Kette daraus zu flechten, die ihm
den Tod braechte.  Sie merkte bald, dass er alles, was sie gesprochen,
vernommen habe, denn statt dass er sich sonst kleine Vorraete an Knochen und
Brot im Garten vergrub, so oeffnete er jetzt nach und nach alle diese
vergrabenen Schaetze und frass unersaettlich.  Haette jenes sie ruehren koennen,
so empoerte sie dies noch mehr; uebrigens schien er nicht traurig, aber er
sah sie spoettisch an, und als der erste Freitag kam, denn ein Freitag wird
zur Ausfuehrung gefordert, durchkroch er das ganze Haus noch einmal, beroch
alle Winkel und fuehrte sich in seinem Lager gegen seine Art unreinlich auf,
welches sie ihm aber diesmal lieber verzieh als ihrer Alten die
Langweiligkeit, mit der sie in unendlichen Erzaehlungen von "hat er gesagt",
"hab ich gesagt", ihre ganze verfluchte erste Liebschaft erzaehlte, die
Bella leicht um eine der Hauptbedingungen bei der Aufsuchung der
Alraunenwurzel haette bringen koennen, wenn diese nicht aus Ungeduld ueber
ihre lange Anwesenheit im Zaehlen der Minuten sie und die Stunden ueberzaehlt
haette, bis es zwoelfe geschlagen: da sprang endlich Bella aus Ungeduld auf
und fing mit der Alten aus Aerger, dass sie alles noch eine Woche
aufschieben muesse, den Kranichtanz der Zigeuner an, dass diese endlich ohne
Atem in einen Sessel fiel und hustete und schwur, so lustig habe sie auf
ihrem Hochzeittage nicht einmal getanzt; dabei nahm sie ein Stueck
Lakritzensaft in den Mund, um den Husten zu daempfen, und trabte endlich
mit grossem Bedauern fort, dass sie schon weggehen muesse.  Etwas Angst hatte
Bella doch gespuert; nun die Woche versaeumt war, schien es ihr doch besser,
dass sie sich noch vorbereiten koenne, und der schwarze Hund schien nicht
minder diese Frist zu wuenschen, um noch recht essen zu koennen; sie
gewaehrte ihm gerne die leckersten Bissen, weil sie wusste, was er fuer sie
tun muesse, ja zuweilen, ungeachtet ihres Widerwillens gegen das Tier,
kamen ihr bei seinem Anblicke Traenen in die Augen, doch troestete sie sich
immer mit dem Zusatze im Zauberbuche, dass treue Hundeseelen, die in
solchem Geschaefte blieben, zur Seele ihrer Herren gelangen, und sie war
gewiss, dass sich der Hund beim Vater Michael besser als bei ihr gefallen
muesse.

Endlich kam der zweite Freitag, es war schon kalt geworden, die ruhigen
Gewaesser waren duenn befroren, und die Alte hatte sich bei ihr entschuldigt,
dass sie in den naechsten Tagen nicht herauskommen koenne: ihr Husten sei
aber so stark, sie muesse sich heimhalten.  Alles schien erwuenscht, die
Nachbarn waren alle nach der Stadt gezogen, die Nacht war dunkel, und der
Wind fuehrte die ersten Schneeflocken ueber die trockene Erde.  Bella
durchlief noch einmal das Zauberbuch, ihr Herz schlug heftig, als es
langsam eilf schlug, der schwarze Hund schleppte ihre Puppe, in der sie
ihren Prinzen sah und verehrte, herbei, zerrte und biss darin: das brachte
sie zum Entschluss; diesen Schimpf, den er ihrem Liebling angetan, musste er
buessen; schnell nahm sie die Stricke, die sie aus ihren Haaren geflochten
und die sie bisher, um der Alten keinen Argwohn zu geben, auf ihrem Kopf
getragen, und schlug auf ihn.  Er wollte zur Tuere hinaus, sie oeffnete die
Tuere, und beide waren in die zauberhafte Winterwelt hinausversetzt und
gingen dem Winde nach ihren Weg, ohne ihn zu kennen, bloss nach der
Richtung, um den Berg zu erreichen, auf welchem das Hochgericht gehalten
wurde.  Diese Strasse war leer von Menschen, aber mehrere Hunde kamen mit
grossem Laermen unter den Gartentueren hervorgesprungen, liefen auf den
schwarzen Simson los, aber im Augenblicke, wo sich diese Philister ihm
naheten, sah er sie an, zeigte seine Zaehne, und die groessten wie die
kleinsten Hunde fluechteten mit einer Angst, den Schwanz zwischen den
Beinen, in die Gaerten zurueck, dass sie sich selbst unter den Tueren
einklemmten und erbaermlich schrien.  Gleiche Angst zeigten ein paar
Stachelschweine, die ihre Stacheln voll Aepfel und Birnen, die sie sich in
den Gaerten angewaelzt und angestachelt hatten, quer ueber den Weg zogen,
sich aber bei dem Anblicke des Hundes zusammenkugelten, dass dieser ihnen
ihre Beute sehr behaglich abnahm und verzehrte.  Bella hatte sich dabei
ausgeruht, nun war es ihr aber sonderbar, dass, wie sie jetzt aufstand und
sich dem Berge naeherte, ein anderer immer in ihre Fusstapfen zu schreiten
schien, und zwar mit solcher Sorgfalt, dass er mit der Spitze seines Fusses
jedesmal die Ferse des ihren anruehrte, sie wagte nicht umzusehen und lief
immer hastiger zu, bis ein Schlag vor den Kopf sie niederstreckte.  Der
Schlag war indessen nur wenig betaeubend, sie fasste Mut, als alles umher
still war; sie fasste um sich, als niemand sie anfasste, und fuehlte, dass sie
gegen einen herabgelassenen Schlagbaum angerannt war; was aber in ihre
Schritte so eilfertig getreten, war ein Dornstrauch, der sich an ihr Kleid
gehaengt hatte.  Sie musste sich ueber ihre Furcht verwundern und nahm sich
vor, jetzt aufmerksamer und besonnener zu sein, und vergass es doch bald
wieder, als eine Zahl von Pferden, die in einer Koppel lagen, bei ihrer
Annaeherung aufsprangen und ueber Busch und Hecken fortjagten.  Jetzt war
sie oben, und sie sah ueber die reiche Stadt hin, wo noch manches Licht
brannte ein Haus war aber hell erleuchtet, und da, meinte sie, muesse der
Prinz wohnen: so hatte ihr die Alte sein Haus beschrieben, und sie wusste,
dass sein Geburtstag gefeiert wurde.  Sie haette alles bei dem Anblicke
vergessen, selbst die trocknen Gehenkten ueber sich, die einander fragend
anzustossen schienen, haette nicht der schwarze Hund aus eigener Lust unter
dem Dreifusse gegraben.  Sie fuehlte, was er gefunden, und hatte eine kleine,
menschliche Gestalt in Haenden, die aber mit beiden Beinen noch in der
Erde wurzelte; sie war's, sie war's, die geheimnisvolle Mandragora, das
Galgenmaennlein, sie hatte es gefunden ohne Muehe, und in einem Halsumdrehen
war der Strick ihrer Haare umgelegt und um den Hals des schwarzen Hundes
angeschirrt; dann lief sie in Angst wegen des Geschreis der Wurzel fort.
Sie hatte vergessen, ihre Ohren zu verstopfen, lief nun, so schnell sie
vermochte, und der Hund ihr nach; er riss die Wurzel aus dem Boden, und ein
erschrecklicher Donnerschlag stuerzte ihn und Bella nieder; doch hatte ihr
sichrer, schnellfuessiger Lauf sie schon funfzig Schritte entfernt.

Das hatte Bellas Leben errettet; doch blieb sie lange ohnmaechtig und
erwachte erst, als schon die beglueckten Liebhaber von ihrem Gluecke laessig

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